Ein Bandscheibenvorfall – Kein Grund zur Panik

Team Rückenwelt Bandscheibe, Bandscheibenvorfall, WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA

Der Bandscheibenvorfall – mit zunehmendem Alter werden unsere Bandscheiben spröder

Machen wir dann eine falsche Bewegung, können sie verrutschen. Doch auch, wenn es weh tut, keine Panik. Nicht immer steckt ein echter Vorfall dahinter. Sechs Wochen Schmerztherapie und Bewegung reichen meist, um sich wieder wohl zu fühlen.

Plötzlich sticht es im unteren Rücken, vom Gesäß bis zur Wade ziehen sich dumpfe Schmerzen und im Fuß kribbelt es wie von tausend Ameisen – solche Symptome können einen schon ganz schön plagen. Viele denken bei Schmerzen im Kreuz als Erstes an einen Bandscheibenvorfall. Doch tatsächlich ist der äußerst selten. Nur 5 Prozent aller Männer und 3,5 Prozent der Frauen sind einmal in ihrem Leben von so einem Vorfall betroffen. Das ist vergleichsweise wenig: Immerhin beklagen 60 Prozent der Menschen mindestens einmal im Jahr Rückenschmerzen.

Oft durch Zufall entdeckt: eine Vorwölbung

Vorwölbung

Häufig erweisen sich die vermeintlichen Bandscheibenvorfälle lediglich als Vorwölbung. Dazu kann es kommen, wenn die Bandscheibe nicht genügend mit Nährstoffen und Flüssigkeit versorgt wurde und ihr äußerer Faserring  spröde ist. Belastet man den Rücken dann auf einmal stark, kann sich der weiche Gallertkern im Inneren dieses Bindewegebsrings nach außen verschieben. Eine Vorwölbung muss nicht einmal schmerzen, häufig wird sie sogar nur durch Zufall bei der ärztlichen Untersuchung entdeckt. Oft bildet sich so eine Vorwölbung von alleine zurück. Verursacht die Vorwölbung Schmerzen, hilft in der Regel schon eine konservative Rückentherapie. Operieren wird der Arzt dann also nicht. Gerade im Alter zwischen 30 und 50 Jahren ist es wahrscheinlicher, dass sich die Bandscheibe nur vorgewölbt hat, als dass ein Vorfall dahintersteckt. Denn dann sind die Bandscheiben anders als bei alten Menschen noch dicker und bestehen aus viel Gallertmasse.

Bandscheibenvorfall: rund ein Drittel hat keine Schmerzen

Ob es sich um eine Vorwölbung oder um einen Vorfall handelt, kann der Arzt nur durch eine sorgfältige Diagnose feststellen. Bei einem Vorfall reißt der äußere Faserring, und die weiche Gallertmasse fließt heraus. Auslöser sind ganz alltägliche Dreh- und Beugebewegungen, oft in Kombination (z.B. bei der Gartenarbeit oder beim Beladen des Autos). Wenn die Gallertmasse dabei auf einen Nerv drückt oder den Spinalkanal verengt, verursacht das Schmerzen. Der Spinalkanal läuft durch alle Wirbel und umgibt das weiche Rückenmark, einen zentralen Teil unseres Nervensystems. Rund ein Drittel der Patienten hat dennoch nie Schmerzen, obwohl Bilder aus Computertomografie oder Kernspin einen Bandscheibenvorfall nachgewiesen haben.

Häufig schon ausreichend: Schmerztherapie und Bewegung

In vielen Fällen sind Bandscheibenvorfälle mit Wärme oder Kälte, Physiotherapie, Akupunktur oder Shiatsu und Schmerztherapie behandelbar. Mit dieser konservativen Therapie ((hier Anker von oben einsetzen)) gehen die Beschwerden meist innerhalb von sechs Wochen weg. Ganz zentral dabei: Bewegung. Sobald die Schmerzen gelindert sind, sind nämlich Sie gefragt: Denn damit die Bandscheiben als Stoßdämpfer funktionieren, müssen sie mit Nährstoffen versorgt werden. Anders als andere Körpergewebe verfügen sie nicht über Blutgefäße, die Zucker, Aminosäuren, und Sauerstoff heran transportieren. Vielmehr brauchen sie den Wechsel von Be- und Entlastung durch die Bewegung. Diese Druckunterschiede sorgen dafür, dass Flüssigkeit und Nährstoffe in die Bandscheiben gepresst werden.

High-Tech-Methoden besser als das Skalpell

Erst wenn der Schmerz länger als sechs Wochen anhält, wird der behandelnde Arzt eine Operation in Erwägung ziehen. Sie ist sinnvoll, um eine drohende Lähmung zu verhindern oder wenn besonders viel Gallertmasse in den Wirbelkanal gelangt ist (sehr seltener Massenvorfall). Sprechen Sie Ihren Orthopäden dann auf jeden Fall auf moderne High-Tech-Methoden wie minimalinvasive Verfahren oder Mikrotherapie an. Anders als bei der offenen Operation sind bei diesen schonenden Verfahren keine zentimetergroßen Schnitte nötig. So verringert sich das Risiko, dass sich Narben bilden, die zu neuen Schmerzen führen können.

Angst verspannt noch mehr

Kein Grund also zur Panik, wenn Sie Schmerzen im Rücken haben, selbst wenn diese bis ins Bein ausstrahlen. Im Gegenteil: Angst ist sogar schädlich. Denn bei Stress schaltet der Körper um in einen Alarmmodus. Dadurch verspannen sich unsere Muskeln noch mehr. Wer sich aus lauter Vorsicht zu sehr schont und nur wenig bewegt, bei dem verkürzen sich die Muskeln innerhalb kurzer Zeit. Doch die nachlassende Spannung in Muskeln belastet Wirbel und Gelenke umso mehr. Sie nutzen sich langfristig ab und verursachen dadurch erneut Schmerzen. Sollten Sie dennoch unsicher sein, was hinter den Beschwerden steckt, wenden Sie sich an Ihren Arzt. Das gilt auch, wenn die Beschwerden länger als drei Tage anhalten.