Körper und Seele: einfach mal loslassen

Team Rückenwelt Bandscheibe, Entspannung, RÜCKENSCHULE

Entspannung beugt Rückenschmerzen vor

Sitzt uns der Stress im Nacken, spannen wir unwillkürlich unsere Muskeln an. Auf Dauer kann das zu schmerzhaften Muskelverhärtungen führen. Fühlen wir uns hingegen ausgeglichen, lässt die Muskelspannung nach, und auch Schmerzen bewerten wir als harmloser. Gerade wer ständig unter Druck steht, sollte daher immer für ausreichend Entspannung sorgen.

Erwiesen ist: Wer regelmäßig Entspannungsübungen praktiziert, bleibt in Stresssituationen gelassener. Das beugt einem unwillkürlichen Anspannen von Muskeln vor. Außerdem bewirken die Übungen, dass wir unseren Körper besser wahrnehmen. Dann spüren wir Spannungszustände und andere Warnsignale des Körpers frühzeitig und können Rückenbeschwerden – noch bevor sie auftreten – entgegenwirken. Auslöser für Stress werden besser erkannt und können vermieden werden. Zentrales Element bei den meisten Entspannungstechniken ist der Atem. Er verbindet Bewusstes mit Unbewusstem. Sind wir gestresst, so atmen wir flacher. Umgekehrt können wir durch die Atmung auch die Psyche beeinflussen: Wenn wir lernen, ruhig zu atmen, beruhigen wir das vegetative Nervensystem und entspannen damit die Muskulatur.

Es gibt eine Vielzahl von Entspannungsverfahren, angefangen von autogenem Training bis hin zu Yoga.

Viele Krankenkassen übernehmen inzwischen die Kosten für eine solche Präventionsmaßnahme. Es lohnt sich also, dort anzufragen. Die wichtigsten Entspannungsverfahren für einen gesunden Rücken sind:

Tai-Chi, Qigong und Yoga

Yoga dient der Entspannung und fördert die Beweglichkeit

Sehr gute Erfolge besonders bei chronischen Rückenschmerzen haben die Traditionelle Chinesische Medizin mit ihren Bewegungslehren Tai-Chi und Qigong sowie das aus Indien stammende Yoga. Gemeinsam ist diesen Lehren, dass sie Körper, Geist und Seele als eine Einheit verstehen. Neben einem muskelstärkenden Effekt sollen sie die „Energie“ Qi (oder das „Prana“ nach der indischen Ayurvedamedizin) in ihren Leitbahnen (Meridianen) zum Fließen bringen. Fließt das Qi, ist der Mensch nach dem asiatischen Medizinverständnis gesund. Ist der Energiestrom hingegen blockiert, werden wir krank. I

ch selber praktiziere seit vielen Jahren mit Begeisterung Yoga. Von dieser etwa 3000 Jahre alten indischen Lehre gibt es inzwischen viele verschiedene Richtungen und Schulen. Durch die Kombination aus körperlichen Übungen (Asanas) mit Atemübungen (Pranyama) und Meditation (Dhyana) soll Yoga, Körper, Geist und Seele in die Balance bringen. Die Übungen stärken das Nervensystem und wirken sich positiv auf den Hormonhaushalt aus. Eine Studie aus den USA ergab, dass Yoga bei Patienten mit chronischen Rückenbeschwerden deutlich besser wirkt als herkömmliche Gymnastik. Yoga lässt sich an vielen Volkshochschulen oder Yoga-Schulen lernen. Wer unter einem akuten Bandscheibenvorfall leidet, sollte jedoch von diesen Übungen absehen.

Autogenes Training

frau entspannt im büro mit geschlossenen augen

Bei dieser Technik geht es darum, den ganzen Körper mit der eigenen Vorstellungskraft zu entspannen. Indem man sich im Liegen oder Sitzen auf autosuggestive Sätze konzentriert, beeinflusst man unbewusste Körperfunktionen wie die Muskelspannung oder den Atem. Solche Sätze lauten dann zum Beispiel: „Meine Arme und Beine sind schwer“ oder „Mein Atem ist tief und ruhig“. Autogenes Training wird in Kursen an Volkshochschulen oder auch von Ärzten und Psychotherapeuten angeboten. Entwickelt wurde die Methode Ende der 20er-Jahre von dem Psychiater Johannes Heinrich Schultz. Sie ist allerdings weniger für Personen geeignet, denen es schwerfällt, den eigenen Körper zu spüren.

 

Progressive Muskelentspannung

Der amerikanische Arzt Edmund Jacobson vertrat die These, dass eine Verringerung der Muskelspannung das zentrale Nervensystem beruhigt. Daraufhin entwickelte er in den 20-er Jahren eine Methode, bei der man nach und nach einzelne Muskeln kräftig anspannt und danach wieder entspannt. Er ging davon aus, dass sich Muskeln besser lockern, nachdem sie kurz angespannt wurden. Das schärft das Körperbewusstsein und hilft dabei, muskuläre Anspannungen frühzeitig zu erkennen. Die Methode ist leicht erlernbar und verschafft vor allem auch rasche Erfolgserlebnisse. Außerdem ist sie überall einsetzbar, ob im Sitzen, im Liegen, ob unterwegs oder abends vor dem Einschlafen.

Nicht jede Methode ist für jeden gleichermaßen geeignet. Manche Menschen können eher durch Bewegung entspannen, andere sprechen besser auf ruhige, meditative Elemente an. Anfangs müssen Sie vielleicht etwas experimentieren, bis Sie die für sich passende Entspannungstechnik finden. Liegt Ihnen das autogene Training gar nicht, können Sie es vielleicht mal mit den aktiveren Formen Yoga oder Tai-Chi probieren. Manchmal sind chronische Rückenbeschwerden, die keine erkennbare Ursache haben, aber auch Ausdruck besonders starker psychischer Vorgänge. Wenn sich die Beschwerden nicht durch Entspannung bessern, sollten Sie durchaus auch eine körperbezogene Psychotherapie oder ein seelsorgerisches Gespräch mit einem Arzt in Erwägung ziehen, dem Sie vertrauen.