Moderne Bildgebende Verfahren

Röntgen, CT oder Kernspin?

Team Rückenwelt Bandscheibe, Bandscheibenvorfall, Diagnostik, Diagnostik & Behandlungen

Röntgen, CT oder Kernspin

Moderne bildgebende Verfahren eröffnen uns ganz neue Möglichkeiten der Diagnostik

Leider wird bei uns viel zu schnell geröntgt. Nicht immer ist dies die Methode der Wahl. Oft liefern erst Computertomografie oder Kernspinaufnahmen eine genaue Aussage. Und auch dann sind bei der Auswertung der Bilder Sorgfalt und Erfahrung entscheidend. 

Die meisten Rückenbeschwerden sind unspezifisch und harmlos, etwa eine Muskelverspannung oder eine Wirbelblockade. Meistens entscheidet man sich dann für eine Behandlung mit leichten Medikamenten und Physiotherapie. Manchmal ist jedoch ein sofortiger Eingriff oder eine spezifische Therapie nötig. Eine sorgfältige Diagnostik ist deshalb unerlässlich. Vieles kann ich schon durch ein ausführliches Patientengespräch und eine körperliche Untersuchung ausschließen. Um die Diagnose abzusichern und zu verhindern, dass ich ein schwerwiegendes Problem übersehe, ist es dann aber oft wichtig, in den Körper hineinzuschauen.

In Deutschland wird zu viel geröntgt

Klassischerweise röntgen hierfür die meisten Ärzte, obwohl man damit fast nur die knöchernen Körperstrukturen darstellen kann. Muskelschwund oder ein Bandscheibenvorfall können so allein nicht diagnostiziert werden. Auch die Nerven oder eine akute Entzündung im Gelenk sind im Röntgenbild nicht zu erkennen.

Als engagierter Radiologe bedaure ich sehr, dass in Deutschland nach wie vor so viel geröntgt wird. Immer wieder zeigen mir Patienten auch Bilder schlechter Qualität. Sie sind oft nicht aussagekräftig, weil sie nicht von der eigentlich betroffenen Körperregion angefertigt wurden oder weil sie nicht die geeignete Methode sind, um eine klare Diagnose zu stellen. Auch laut Gesundheitsbericht für Deutschland wird die Röntgendiagnostik zu ungezielt eingesetzt. Therapeutisch nutzbare Informationen aus den Röntgenbildern lassen sich nur in weniger als 2 Prozent ziehen. Dabei sollte eigentlich jede unnötige Aussetzung der Röntgenstrahlung vermieden werden.

Bei Verdacht auf einen Bruch des Wirbelkörpers: Röntgen

Doch was genau passiert eigentlich beim Röntgen? Diese Untersuchungsmethode schickt Röntgenstrahlen durch den Körper. Jede Gewebeart nimmt die Strahlung unterschiedlich auf (absorbiert sie), sodass unterschiedliche Durchstrahlungsbilder entstehen: Ein Knochen absorbiert wenig und ist als helle Struktur erkennbar, ein Muskel lässt wenig Strahlung durch und ist als dunkle Struktur erkennbar. Wurden die Bilder früher auf Filmmaterial festgehalten, so kann man sie heute digital auf dem Computer abbilden. Die energiereiche Röntgenstrahlung kann jedoch die Erbsubstanz der Zellen beeinträchtigen. Gerade im Lendenwirbelbereich, wo die empfindlichen Organe lokalisiert sind, zugleich aber auch die meisten Beschwerden auftreten, ist die Strahlung besonders gefährlich. Je stärker die Dosis, desto schädlicher ist sie für den Körper. Immerhin kommen moderne Röntgengeräte mit deutlich weniger Strahlung aus als früher.

Trotz allem hat Röntgen seine Berechtigung: Es ist als schnelles und unkompliziertes Verfahren immer dann angezeigt, wenn unverzüglich gehandelt werden muss. Zum Beispiel bei Verdacht auf Wirbelkörperbruch oder bei anderen problematischen Veränderungen der Knochen.

Hochauflösende CT-Bilder

Viel aussagefähiger als eine normale Röntgenaufnahme ist ein CT-Bild, also eine Computertomografie.  Das ist ein spezielles Röntgenverfahren, das viele einzelne kontrastreiche Schnittbilder erzeugt. Daraus kann der Computer in wenigen Millisekunden Gewebe und Organe dreidimensional darstellen. Die Patienten liegen bei der Untersuchung und werden langsam durch ein ringförmiges Gerät geschoben. Inzwischen kommen die modernen Geräte auch mit sehr wenig Strahlung aus.

Je nach CT-Technik erreicht man so einen guten Überblick über eine Körperregion oder eine lokal sehr hohe Auflösung im Millimeterbereich. So lassen sich zum Beispiel Arthrose, Verknöcherungen der Bandscheibe oder der Bänder und Osteoporose feststellen. Auch zur Abklärung unklarer Knochenveränderungen und für mikrotherapeutische Operationen ist die CT eine unverzichtbare Methode.

Größte Präzision mit Kernspintomografie

In vielen Fällen kann ich letztlich nur mithilfe der Kernspintomografie eine umfassende und gesicherte Diagnose stellen. Dieses moderne bildgebende Verfahren erzeugt ebenfalls Schnittbilder, kommt aber ohne Röntgenstrahlen aus. Es arbeitet stattdessen mit einem Magnetfeld, das die Wasserstoffatome in den Molekülen des Körpers kurzfristig minimal anregt. Viele bezeichnen die Methode deshalb auch als Magnetresonanztomografie (MRT). Je nachdem, auf welches Gewebe das Magnetfeld trifft, ob es gesund ist oder entzündet, registriert der angeschlossene Computer ein unterschiedliches Signal. Der Patient liegt während der Untersuchung in einer Röhre.

Die Kernspintomografie macht alle organischen Strukturen des Rückens sichtbar und das mit größerer Präzision als bei irgendeiner anderen diagnostischen Methode: die Bandscheiben und Wirbelkörper, die kleinen Wirbelgelenke, den Rückenmarkskanal, Entzündungen, Tumoren und die Muskulatur.

Chancen und Grenzen

Leider ist bis heute Röntgen die Regel und eine Kernspintomografie die Ausnahme. Das liegt unter anderem daran, dass die Röntgengeräte nun einmal in den Praxen vorhanden sind und genutzt werden sollen, damit sich die Anschaffung für den Arzt rentiert. Ein weiterer Grund ist, dass die CT- oder Kernspin-Aufnahmen teurer als ein Röntgenbild sind. Die Krankenkassen sträuben sich deshalb oft, die Kosten zu übernehmen, obwohl am Ende sogar Geld gespart würde. Die Röntgenaufnahme kann der Arzt hingegen auf einfachem Weg pro Quartal abrechnen.

Ich finde, die modernen bildgebenden Verfahren und gerade die Kernspintomografie eröffnen uns neue und gezielte Möglichkeiten der Diagnose und Therapie, die wir nutzen sollten. Mit ihrer Hilfe können wir zum Beispiel auch die Muskulatur weit aus mehr berücksichtigen, die gerade bei chronischen Rückenschmerzen eine immense Rolle spielen. Andererseits muss auch vor einer Überbewertung der Bildbefunde gewarnt werden. Jeder Arzt ist deshalb in der Pflicht, im Einzelfall kritisch zu beurteilen, ob tatsächlich eine Therapie notwendig ist und welche Behandlung dann angezeigt ist.