Rücken – Fragen und Antworten mit Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer

Hier finden Sie Antworten von Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer auf typische Fragen zum Thema Rücken

Was kann man tun, wenn es plötzlich zu akuten Rückenschmerzen kommt und jede Bewegung unerträglich wird:

Kälte hilft bei akutem Schmerz im Rücken am besten: Wickeln Sie z.B. kleine Eiswürfel in ein feuchtes Tuch und legen Sie diese Kältepackung zehn Minuten lang an die schmerzende Stelle und wiederholen Sie diese Behandlung alle zwei Stunden. Die gesteigerte Durchblutung entspannt die Muskulatur. Manche Menschen vertragen jedoch Hitze in der Schmerzzone besser, die eine ähnliche Wirkung hat.

Eiswürfel oder doch lieber die Wärmflasche? Wann hilft Wärme, wann lindert Kälte die Schmerzen?

Kühlen hilft bei entzündlich bedingten Rückenschmerzen. Ob so etwas vorliegt, muss unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden. Bei Muskelverspannungen oder chronischen Schmerzen hilft Wärme oft am besten, sei es durch einen Schal um die Hüften, ein erwärmtes Körnerkissen oder einen heißen Duschstrahl. Auch ein Bad mit aktivierenden Ölen (z. B. drei bis vier Tropfen Lavendelöl oder Rosmarinöl) wirkt oft sehr positiv.

Mit welchen Arten von Rückenschmerzen plagen wir uns besonders häufig herum?

Am häufigsten sind von Verspannungen begleitete, örtlich begrenzte Schmerzen. Oft ein Zeichen einer einseitig beanspruchten Muskulatur, beispielsweise durch zu langes Sitzen. Ein starker, jäher Schmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule, eingeschränkte Beweglichkeit oder eine verhärtete Muskulatur sind häufig Zeichen eines „Hexenschusses“. Ursachen lassen sich oft nicht präzise ermitteln. Viel seltener als allgemein angenommen ist ein Bandscheibenvorfall der Grund, aber immer wieder Verrenkungen der kleinen Wirbelsäulengelenke.

Um lästige Rückenschmerzen auszuschalten, greifen gerade Berufstätige schnell mal zur Schmerztablette. Wie sinnvoll ist der Einsatz von schmerzstillenden Mitteln?

Leichte Schmerzmittel können zu Beginn einer Schmerzphase sinnvoll sein, weil sie helfen, weiter beweglich zu bleiben. Länger als einige Tage sollte man die Mittel aber nicht einnehmen. Denn wer länger Schmerzen hat, nimmt eine Schonhaltung ein, was wiederum zu einer Zunahme der Verspannung führt. Eine Medikamenteneinnahme sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen.

Wann sollte man besser einen Arzt aufsuchen? Welche Symptome weisen auf einen Notfall hin?

Ernste Warnzeichen sind, wenn die Schmerzen ins Bein oder den Arm ausstrahlen, nach einer Woche nicht besser werden oder sich sogar verschlechtern bzw. ein Kraftverlust auftritt. Auch akute Muskelschwäche, Verdauungsprobleme, Störungen beim Wasserlassen und Fieber sowie ein Taubheitsgefühl sollte man unbedingt abklären lassen – in diesen Fällen suchen Sie bitte sofort einen Arzt auf! Ärztliche Hilfe benötigen Sie auch, wenn Körperhaltung oder Bewegungen nichts am Grad oder an der Lokalisation der Schmerzen ändern oder diese stärker werden.

Wie geht es beim Arztbesuch weiter? Wie lassen sich die Ursachen von Rückenschmerzen aufspüren und therapieren?

Wichtig ist zunächst die Aufklärung über die meist harmlosen Ursachen von Rückenschmerzen. Der überwiegende Anteil der akuten Rückenschmerzen beruht auf muskulären Verspannungen. In diesem Fall sollte der Patient trotz Beeinträchtigung zur körperlichen Aktivierung motiviert werden. Zusätzlich können leichte Schmerzmittel, Wärmebehandlungen, und Physiotherapie (Massagen) angezeigt sein.

Letztlich kommt es auf die Erkrankung an: ob es sich etwa um eine Verspannung handelt, ein Facettengelenksproblem oder einen Bandscheibenvorfall. Man kann vielfältige Heilungsmöglichkeiten anbieten. Sie reichen je nach Schweregrad und individueller Situation vom regelmäßigen Schwimmen über Massagen, Akupunktur, Osteopathie bis zur Psychotherapie – und eben die sanften Behandlungsformen wie Mikrotherapie, sofern nicht doch eine Bandscheibenoperation notwendig wird. Die Operation steht ganz am Ende, ausgenommen sind die Notfallsituationen bei akuten Lähmungen und Blasenstörungen. Zu bedenken ist: Ein Arzt, der über ein gutes Netzwerk unterschiedlicher Therapeuten verfügt, kann dem Patienten am besten helfen.

Wie beeinflusst die Psyche unseren Rücken?

Der Rücken trägt viele Lasten, tatsächliche und oft auch psychische. Häufig sind Seele und Körper voneinander nicht zu trennen. Depressionen äußern sich nicht selten in Rückenschmerzen oder auch in einem akuten Hexenschuss. Dauerstress oder übergroßer Druck sorgen dafür, dass aus Anspannung Verspannung wird. Und chronische Verspannung kann dann die bereits erwähnten Folgen wie Bandscheibenvorfälle oder Gelenkverschleiß haben.

Was passiert, wenn man Warnsignale nicht ernst nimmt?

Schmerzen allein, so belastend sie individuell sein mögen, sind ein unklares Indiz für die Schwere einer Erkrankung, denn es gibt keine objektiven Messmethoden dafür. Jeder Schmerz wird individuell erlebt, und jeder leidet anders! Es existiert keine lineare Beziehung zwischen einem körperlichen Schaden und seinen Symptomen: Man kann große Schmerzen haben, obwohl sich körperlich kaum Beeinträchtigungen feststellen lassen. Trotzdem sollte man Schmerzen ernst nehmen, diese abklären lassen und vor allem: Immer in Bewegung bleiben.

Prävention: Was kann man selbst für einen starken Rücken tun?

Ein Großteil der Rückenprobleme geht wirklich auf mangelnde Bewegung zurück. Also so viel bewegen wie möglich! Zusätzlich kann man durch Rückentraining gezielt die Muskeln stärken, die den Rücken stützen – dazu gehört auch Bauchmuskeltraining.

Welche Sportarten sind für Menschen mit chronischen Rückenbeschwerden empfehlenswert?

Walking ist z.B. eine ideale Form des Ausdauertrainings, das sowohl Bein- als auch Rumpfmuskulatur stärkt. Dadurch verbessert sich die Haltung, und auch Rückenschmerzen wird vorgebeugt. Empfehlenswert unter dem Aspekt der gelenkschonenden Bewegung sind der Schwimmsport und die Wassergymnastik anzusehen, da durch die statischen Auftriebskräfte des Wassers das Eigengewicht des Körpers weniger zum Tragen kommt. Unter psychosozialen Gesichtspunkten empfehle ich das Tanzen! Als generelle Regel gilt: Sportarten die ruckartige und unvorhersehbare Bewegungen mit sich bringen, sollte man vermeiden. Bewegung in den Alltag integrieren! Statt Rolltreppe zu Fuß gehen … überlegen Sie selbst!

Was sollte man bei seiner Ernährung beachten?

Die Wirbelsäule muss stabil bleiben und braucht dafür Mineralien. Die Bandscheibe wird ja nicht durch Durchblutung ernährt, sondern indirekt durch das sie umgebende Milieu. Übergewicht bedeutet eine zusätzliche Belastung für Rücken und Gelenke. Kaufen Sie möglichst frische und naturbelassene Lebensmittel, am besten aus biologischer Produktion, kochen Sie selbst, genießen Sie – mit Freunden und Familie. Notwendig ist auch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, dies ist für die Elastizität der Bandscheiben wichtig. Trinken Sie also viel, etwa 1,5-2 l täglich, am besten Wasser oder Kräutertees.

 

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